INTERVIEW: me and my drummer

Posted on Juli 23, 2012

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Auf dem Mannheimer Maifeld-Derby-Festival, welches diesen Mai zum zweiten Mal stattfand, spielen internationale Bands und doch riecht es nach Pferdestall. Ein sympathischer Gegensatz, zu dem passt, dass ich dort ME AND MY DRUMMER das erste Mal live sah, als sie am zweiten Tag die Zeltbühne eröffneten. Sie spielen nämlich Pop und doch riecht er nach Tiefgang.

Selten gelang es einem Duo (die beiden wohnen in Berlin) so gut, das Theatralische, gemischt mit sakralen oder mittelalterlichen Ansätzen, mit den Gedanken der Popmusik zu kombinieren. Definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, und auch wenn die Beschreibung eben vielleicht eher zweifeln lässt: Dabei kommen richtige Hits raus. SINNBUS, die Heimat von beispielsweise BODI BILL oder HUNDREDS (zu denen sich durchaus entfernte Parallelen finden lassen), haben das auch erkannt und das Debüt von ME AND MY DRUMMER veröffentlicht. Matze und Charlotte nahmen sich dankenswerterweise die Zeit, sich einigen Fragen zu stellen:

Als ich euch in Mannheim letztens live sah, hast du, Charlotte, bei dem Song „the wings“ extra betont, dass die Chorgesänge zwar Playback sind, der Rest aber live. Jetzt macht ihr aber Pop, was oftmals als Gegenbegriff zu Authentizität gesehen wird, wo Playbacks etwas Alltägliches sind. Wie wichtig ist euch diese Authentizität? Was bedeutet Pop für euch?

Das ist viel auf einmal…

Zuerst: Für uns kann Pop definitiv authentisch sein. Genauso wie zum Beispiel Jazz extrem unauthentisch sein kann. Grundsätzlich ist uns Authentizität sehr wichtig. Sowohl bei unserer eigenen Live-Show, als auch bei Bands, die wir uns live ansehen. Allerdings geht es für uns bei dem Begriff „Authentizität“ viel weniger darum, wie viel vom Band kommt oder welche Klamotten die Musiker tragen, sondern viel mehr um einen Approach, eine Haltung, die man dem Künstler ohne zu zweifeln abnimmt.

Pop zu definieren ist sehr schwierig – außer man stellt einfach nur den Begriff hin: Popularmusik, Musik für die breite Masse. 

Popmusik bedeutet für uns ganz generell dem Rezipienten eine Emotion zugänglich zu machen, die er nachempfinden kann, die ihn inspiriert oder in der er sich selbst wieder findet. Und natürlich finden wir uns in unseren Songs auch selbst wieder.

Apropos „finden“: Ihr habt euch laut eurer Biographie am Theater kennengelernt, wo ihr beide als Musiker tätig ward.  Dadurch habt ihr bestimmt einen anderen Zugang zur Musik als andere Musiker. Was habt ihr davon mitgenommen? Stand sie euch auch mal im Weg?

Die Theaterzeit war sehr lehrreich. Wir haben uns viele Gedanken über Dramaturgie gemacht, über Wirkung, Performance, Reduktion und viele weitere Dinge. Natürlich fließt das irgendwie mit ein in die Songs. Und viele der Songs auf unserem Album haben auch einen theatralischen Anstrich. Wir benutzen diese Tools allerdings nur selten gezielt, meistens eher intuitiv. Im Weg stand uns das zum Glück nie.

Und wo wir schon beim Theater sind: Ich könnte mir vorstellen, dass euch auch genau deshalb das Visuelle interessiert. Wie wichtig sind euch eure Videos?

Musikvideos sind eine wundervolle Möglichkeit einem Song eine weitere Farbe zu verpassen, bestimmte Farben hervorzuheben, oder welche weg zu nehmen. Das macht Spaß. Die Ideen entwickeln wir immer mit dem Regisseur gemeinsam. Es gibt außerdem häufig Songs, die so eine starke visuelle Qualität haben, dass sie förmlich nach einem Video schreien. Es werden also auf dieser Ebene noch einige Dinge passieren…

Der Nachteil eines Duos ist es ja, dass es sicher bei Meinungsverschiedenheiten oft 1:1-Patt-Situationen gibt. Wie funktioniert das Band-Gefüge bei euch?

Ja da hast du recht. Bei Meinungsverschiedenheiten, die es natürlich im kreativen Prozess häufig gibt, ist es oft schwierig einen Weg zu finden, der beiden schmeckt. Wir haben daher über die letzten Monate und Jahre eine Art System entwickelt, mit dem wir immer ganz gut fahren. Gerade im Prozess des Song-Arrangierens probieren wir in der Regel die Ideen von beiden aus, auch wenn sich beide sicher sind, dass die andere Version nichts taugt. Manchmal gibt es da große Überraschungen. Meistens hat Charlotte recht und sie hat am Ende auch das letzte Wort 🙂

Ihr seid bei Sinnbus, einem Label, das oftmals metaphorisch als große Familie bezeichnet wird. Das Schwierige bei Familien ist es oftmals reinzukommen, von der ihr aufgenommen und akzeptiert zu werden. Wie gestaltete sich euer Weg in den Schoß von Sinnbus?

Die Sinnbus Familie hatte Lust uns zu adoptieren 🙂 Nein, Spaß beiseite. Die Stimmung im Team ist herzlich, aber es geht immer um das Projekt und nicht nur darum Club Mate zu trinken und Kekse zu essen.

Bei einem Konzert in Erfurt im November 2010 hatten wir einen Support namens „Petula“ (den wir sehr empfehlen). Er ist ein guter Freund von Sinnbus und empfahl uns denen. Wir bekamen dann eine Nachricht von Sinnbus und sie sind zu einem Konzert in Berlin gekommen. Dann haben wir über Monate Kontakt gehabt, uns kennen gelernt und schließlich den Vertrag unterschrieben.

ME AND MY DRUMMER spielen am 28.7. um 18 Uhr beim FAIRTRADE FESTIVAL auf der Wiese der Umweltstation in Würzburg.

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